stille : komposition

 

stille : komposition


bilder können wie musik ohne ton sein

bilder können musik sein sind aber keine partituren

bilder sind lesbar nach allen richtungen

kennen keinen anfang und kein ende

bilder können erzeugen was musik nur umschreiben kann:

stille


zwischen den zeilen liest man was nicht geschrieben wurde

aus musik hört man heraus was nicht ans ohr gelangt

in einem bild sieht man was nicht gemalt wurde


worte lassen dich etwas sehen

musik nimmt dich mit

bilder lassen dich schauen


ein bild benötigt nur einen rahmen durch den es

wie durch eine türe in einen stillen raum führt

man kann darin wandern und bleibt an ort und stelle


---

---


Über die Bilder

Bernhard Karlstetter läßt sich für seine Bilder sehr viel Zeit, viele Bilder entstehen während eines Zeitraums von drei Monaten bis zu einem Jahr. Das ist zum einen bedingt durch die lange Trocknungszeit der Ölfarbe, zum andern aber auch gewollt, da der Künstler mit keiner festgefügten Bildvorstellung malt, die ihn zum Ausmaler seiner Farb-Ideen machen würde.

Die Arbeit bei unterschiedlichen tages- und jahreszeitlichen Lichtverhältnissen fließt dabei bewußt mit in das jeweilige Bild ein und führt dazu, daß ein Bild je nach Ausstellungsort und Licht andere Farbschichten zur Geltung bringt.

Keines seiner Bilder trägt einen Titel.  Titel bei abstrakten Bildern fand der Künstler immer etwas irritierend, da sie einen auf die Suche nach dem Inhalt im Bild führen, also zu sehr den Kopf beschäftigen als vielmehr die Wahrnehmung des Bildes durch die Sinne zulassen, und damit den Zugang zur eigenen Phantasie beeinträchtigen.

Bernhard Karlstetters Bilder lassen sich mit Instrumentalmusik vergleichen, mit dem Unterschied, daß man Musik nur vom Anfang zum Ende hören kann, während man bei einem Bild von jedem Punkt aus anfangen kann, es wahrzunehmen.

Wenn man sich den unterschiedlichsten Farbnuancen und Formen überlassen kann, wird man sich gleichsam wie an den Musikinstrumenten und ihren Klangfarben erfreuen, nicht nur an der Melodie, die sie spielen.